Thomas Blanchard und die Serie STELLAR IRIS

Der französische Künstler filmt Tinte, Öl und Pigment, die vor der Kamera reagieren, in Macro und Zeitlupe, und gelangt so zur endgültigen Abbildung ohne jeden digitalen Effekt danach.

Text von

Caíque Nucci10. August 2026
Caíque Nucci

Text von Caíque Nucci

Gründer · 10. August 2026

Thomas Blanchard wurde 1984 in Lyon geboren und hat ein Werk aufgebaut, das von einer elementaren Geste ausgeht: Materie vor die Kamera zu stellen und zu warten. Tinte, Öl und Pigment befinden sich in einem Behälter, reagieren entsprechend ihrer eigenen Dichten miteinander und der Künstler nimmt die Begegnung in Großaufnahme und Zeitlupe auf. Nichts von dem, was auf dem Bildschirm erscheint, wurde später am Computer generiert. Das endgültige Bild ist die eigene chemische Reaktion, die im Moment ihres Geschehens gefilmt wird, und die Kompositionsarbeit besteht ganz in der Auswahl der Materialien und im Moment des Knopfdrucks.

Pigmento em expansão, filmado sem efeito digital
Pigment in Expansion, ohne digitale Effekte gefilmt

STELLAR IRIS, eine der kürzlichen Serien, führt dieses Verfahren zu einer kosmischen Analogie. Die aus der Nähe gefilmten Reaktionen öffnen sich in Formen, die an Sternexplosionen erinnern, und das, was in einer Tröpfchen passt, nimmt die Größe einer sich bildenden Galaxie an. Ein Teil der Tonspur und der Sounddesigns der Serie stammt von Stephano Sanchinelli und Dominic Walter Battista.

Elementos vivos entram na composição ao lado dos pigmentos
Lebende Elemente treten in die Komposition neben den Pigmenten
ein

Die Arbeit bewegt sich gleichzeitig in zwei Bereichen, und das ist eine der Besonderheiten der Karriere. Blanchard hat Bilder für die Lancierung des iPhone X von Apple und des Galaxy Fold von Samsung signiert und für Sony, Dolby, LG und Huawei produziert. Im institutionellen Bereich war er bei der Biennale für zeitgenössische Kunst in Casablanca 2016, beim Artechouse in Washington, beim Museum für zeitgenössische Kunst in Seoul und beim Atelier des Lumières in Paris.

Thomas Blanchard
Thomas Blanchard

Was das Werk trägt, ist die Weigerung, das Bild nachträglich zu vervollständigen. Indem Blanchard die Konstruktion vor der Kamera belässt, verleiht sie dem Video eine Qualität, die ein großer Teil der digitalen Kunst heute vernachlässigt, nämlich die des Dokuments. Was man sieht, ist tatsächlich geschehen und nur ein einziges Mal geschehen.

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